I run. I eat. I travel.

Hassliebe – Halbzeit

Spring break – es ist offiziell Halbzeit. Wenn wir uns die Realität ansehen ist die wirkliche Halbzeit sogar schon vorüber und es zeigt sich einmal mehr dass die Zeit auf Austausch nur so verfliegt.

 

Ich hatte unlängst eine wirklich interessante Unterhaltung an der Uni als einige exchangies darüber gesprochen haben, wie es uns denn so geht mit dem Leben und den diversen Gepflogenheiten in Istanbul.

 

Bisher kann ich wirklich sagen, mich und Istanbul verbindet eine intensive Hassliebe – besser könnt ich es nicht umschreiben. Was auch sehr passend ist, ist doch die Stadt eine, die Gegensätze und Widersprüche so gekonnt vereint, wie kaum eine andere.

Man sieht hier superreich neben wirklich arm, sieht Püppchen im kurzen Rock und hohen Schuhen genauso wie bodenlange Röcke und verschleierte Gesichter.  Istanbul liebt den Fußbal und hasst Sport. Das teuerste Auto neben einem, wo es fast einem Wunder gleicht dass es doch noch fährt. Der Zuwanderer aus Ostanatolien neben dem Touristen mit Spiegelreflexkamera. Die schicksten Clubs am Meer und die heruntergekommensten Gecekondu-Viertel (mehr oder weniger die Slums der Stadt, Zuwandererviertel mit zusammengeschusterten Behausungen). Asien und Europa, ausbalanciert vom Bosporus und doch nur duch 2 (permanent Stau habende) Brücken. All das und noch viel mehr ist Istanbul.

Was Istanbul – so scheint es mir – aber nicht ist, lässt sich ebenfalls kaum in eine Liste fassen. Was ich bisher gemerkt habe: Istanbul ist nicht tolerant. Istanbul ist oft arrogant. Istanbul ist keine Läuferstadt. Istanbul ist keine Radfahrerstadt. Istanbul schätzt Ausländer oft nur, wenn sie auch Geld da lassen. Istanbul ist bei weitem nicht so offen wie es den Anschein machen will. Istanbul ist nicht sprachgewandt. Istanbul ist voller Vorurteile. Istanbul leidet an Verkehrsinfarkt, hoffnungslos sogar.

All das ergibt eine vibrierende Stadt voller Energie und Leben aber auch mit diversen Hindernissen für jemanden, der neu ankommt. Gerade als Nicht-Türkin stellen sich immer wieder Barrieren in den Weg die anderswo undenkbar wären (und noch anderswo vermutlich viel schlimmer sind, to put things into perspective, ich sudere auf hohem Niveau).

Es fehlt oft der Respekt im Umgang und die Höflichkeit (von Feinfühligkeit wollen wir jetzt mal gar nicht anfangen zu reden). Die Standards sind um ein undenkbares Maß höher wenn man blond ist und offensichtlich expat – ich könnte NIE so gekleidet herumlaufen wie es sich viele Türkinnen leisten. NIE. Ich kann kaum auf Bazaare gehen, weil es einfach viel zu viele Nerven kostet und ich den doppelten Preis zahlen würde. Ich werde oft behandelt als wäre ich a) ein dummes zugereistes Kind oder b) sowieso leicht zu haben weil ich ja aus dem Westen bin. Mühsam. Ohne Ende.

Ich weiß, dass viele der von-oben-nach-unten-mustern Blick oder die nachgerufenen ‘çok güzel!’s (sehr schön!) nicht böse oder anrüchig gemeint sind, aber en masse und gepaart mit dem klassischen Pascha-gehabe wird es doch irritierend.

Ich will hier auch festhalten, dass ich großartige Leute kennengelernt habe die all meine Kritiken in Schall und Rauch aufgehen lassen.

Und dann sind da noch die Momente wo du die Tanker, Frachter und kleinen Fischerboote am Bosporus siehst, die Sonne scheint, der Himmel ist blau, das Essen grandios und du fragst dich, wie du diese Stadt nicht bedingungslos lieben könntest.

 

Pure Hassliebe, wie gesagt.

 

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